Trauersprüche

Der Anlass zum Trauern
Verstirbt ein geliebter und geschätzter Mensch, so entsteht ein tiefer Einschnitt im Leben der Hinterbliebenen. Dieser Einschnitt wird mit der Trauer kompensiert. Die Trauer ist eine Verhaltensweise, durch die das empfundene betrübende Gefühl, das sich hauptsächlich daraus ergibt, dass die verstorbene Person nie wiederkommen wird, nach außen hin gezeigt wird, z. B. in Form von schwarzer Bekleidung und einer bedrückenden Stimmung.

Die Funktionen von Trauersprüchen

Viele der Hinterbliebenen, insbesondere nahe Verwandte, der Ehepartner oder befreundete Personen, werden mit dieser Situation nicht fertig und verlieren ihren Lebensmut bzw. fragen sich, wie ihr Leben ohne den verstorbenen Menschen weitergehen soll. Diese Endgültigkeit, den geliebten Menschen auf ewig verloren zu haben, nimmt ihnen den Mut, mit dem gewohnten Fortgang ihres Lebens weiterzumachen. Aus diesem Grunde gibt es nicht nur Grabreden, die meistens über die kirchliche Institution abgehalten werden, sondern auch Trauersprüche, die den Lebensmut wiederherstellen sollen.

Trauersprüche haben die Eigenschaft, dass ihre Autoren empathisch herangehen und sich fragen: Wie würde ich in dieser Situation fühlen und welche Worte könnten mich am besten aufmuntern?

Eine Hoffnung stiftende Form der Aufheiterung ist der durch die Religionen geprägte Glaube an ein Leben nach dem Tod. Dabei wird meistens darauf verwiesen, dass ein solches zweites Leben das wahre Leben sei, das über dem fleischlichen Leben stehe. Gerade dieses als besser geglaubte Leben spendet den trauernden Hinterbliebenen Trost, so dass sie häufig den Satz äußern, dass die verstorbene Person es dort, wo sie sich jetzt befindet, besser habe. Viele Autoren von Trauersprüchen bedienen sich dieses Glaubens und haben damit weitläufig einen großen Erfolg, Trauernden, unter ihnen auch jene Hinterbliebenen, die ihr eigenes Leben schon aufgegeben haben, Mut zuzusprechen.

Neben dem Glauben an ein Leben nach dem Tod erzeugen Autoren von Trauersprüchen auch häufig Mut mit dem Stilmittel, durch die Verwendung der Ich-Form die Illusion zu schaffen, dass die verstorbene Person selbst den Trauerspruch verfasst hätte und zu den Hinterbliebenen spräche. Dadurch werden sie zur Auffassung geleitet, dass der verstorbene Mensch nicht komplett verschwunden wäre und von irgendwo her noch über sie wachte.

Eine weitere Funktion von Trauersprüchen besteht darin, den Hinterbliebenen das Weinen zu lehren, denn bei vielen von ihnen steht das Weinen, oftmals mit der Wendung des Tränenvergießens verbunden, im Vordergrund. Die Autoren solcher Trauersprüche haben erkannt, dass das Weinen eine Abwehrhaltung des Menschen ist, die insbesondere auch der Abwehr von negativen Emotionen dient. Wenn ein Mensch weint, so ist er nicht schwach, sondern kompensiert in Form einer instinktiven Handlung lediglich seine Emotionen. Je stärker die Emotionen sind, desto stärker ist der Akt des Weinens.

Beispiele von Trauersprüchen:

„Ihr, die ihr mich so geliebt habt,
seht nicht auf das Leben, das ich beendet habe,
sondern auf das, welches ich beginne.“
(Aurelius Augustinus)

Die Glocken klingen, klingen viel anders denn sonst,
wenn einer einen Toten weiß, den er lieb hat.
(Martin Luther)

Falls der Tod aber gleichsam ein Auswandern ist
von hier an einen anderen Ort,
und wenn es wahr ist, was man sagt,
dass alle, die gestorben sind, sich dort befinden,
welch ein größeres Glück gäbe es wohl als dieses?
(Sokrates)